Wenn einen die Muse so richtig intensiv knutscht und man sich in das vertiefen kann, was einen postiven Beitrag zum eigenen Erleben beiträgt, dann ist das schon ziemlich nah an meiner Definition von Glück.
Man wird hin und wieder von Banalitäten gestört, wie Essen, Trinken, Schlafen und dergleichen, aber auf solche fast bedeutungslos scheinenden Einwürfe kann man im kreativen Prozess einfach keine Rücksicht nehmen.
... und dann, irgendwann und völlig unvermittelt kommt der Moment, wo dieser Flow entsteht, der einen auf einer Tsunami gleichen Welle der Glückseligkeit aus dem hier und jetzt davon trägt und dieses Glücksgefühl sich immer weiter intensiviert, je länger es dauert. Es entschädigt in Sekunden für die zahllosen Stunden des Probierens und kontinuierlichen Scheiterns an den eigenen Ansprüchen und/oder Fähigkeiten.
Doch dann, wie durch eine
Einstein-Rosen-Brücke, kommt man in dieses Universum, das alle Möglichkeiten bietet, wo alles Mögliche möglich ist und nicht nur bloß möglich scheint.
Dieses Gefühl kenne ich aus meiner aktiven Zeit am Pult, wenn dieser Groove aufkam und die Energien von der Bühne sich mit denen aus dem Publikum verstärken und sich gegenseitig immer weiter intensivieren und ....
..... ich vermisse es wie sonst nichts in meinem Leben.
Manchmal, wenn ich an Aufnahmen "schraube", mir neue Aufnahmetechniken ausdenke (und sie dann auch endlich funktionieren) oder einen für mein Empfinden passenden Sound für eine Hörspielszene erarbeite und es endlich so klingt, wie ich mir das gewünscht habe, dann ... dann kommt das dem schon ein bißchen nahe, wird es aber NIE erreichen!
Ich gönne den gezeigten Sound-Designer und -Engineers ihr Glück aus aller tiefstem Herzen, weil ich weiß wie sich das anfühlt wenn man seinen Traum leben kann und ich kann es ihnen ganz deutlich "ansehen".
Dennoch bin ich neidisch wie ein kleines Kind, das sieht, dass seine Geschwister die größere Eiskugeln bekommen haben.
Was mich jedoch ein bißchen aufbaut ist die Tatsache, dass gerade diejenigen, die Neues und Unerhörtes gewagt haben die Ton-Welt durch ihre Pionierarbeiten nach vorne gebracht haben.
Nie werde ich den Moment vergessen, wo im ersten
Star-Wars Film das Schiff der Rebellen vom mächtigen Sternenzerstörer verfolgt über meinen Kopf hinweg von hinten zu fliegen schien. Und das war gerade mal 5.1! Das gibt es heute als kompakte Soundbar und klingt gar nicht mal schlecht; bis etwa 150 Hz runter.

Dann kam THX und später Dolby Atmos und es klingt immer noch imposanter und vermittelt einen immer intensiveren Eindruck einer anderen Welt.
Dennoch bleibt es solides Handwerk, bei aller IT-technischen Unterstützung. Wie Frau Streusand so unglaublich zellibriert ...
HIER und man im Re-Recording
SIEHT. Die kompetente Kollegin wird ein Mal die Woche neue Rollen an ihrem Stuhl gebraucht haben
Was mich immer wieder auf's Neue fasziniert, motiviert und inspiriert ist die Imagination eines Klangs, eines speziellen Erleben eines Klangs, etwas Neues und Unerhörtes, im mehrfachen Sinne des Wortes.
... nicht zu letzt deswegen finde ich die stereotypen Ledersohlen auf Asphalt in Hörspielen so ... nun Ihr wisst schon was ich meine.
Wenn man sich die Story mancher heute weltweit bekannter Regisseure und Sound-Desginer ansieht, dann sieht man häufig auch den ein oder anderen Knick in ihrer Karriere oder wo sie knapp vor dem wirtschaftlichen Ruin standen. Ich meine, wenn diese Leute nicht doch noch irgendwie die Kurve bekommen hätte, wären sie ein weiteres bedauernswertes Leben auf der Straße in Armut.
Sie haben wirklich viel riskiert und es sagt sich so leicht, dass man gegen die Bosse von WB oder Universal dagegen gehalten hat. Da ging es um Millionen von Dollar und wenn man das in die heutige Zeit umrechnet werden diese Summen sehr schnell sehr viel größer.
Sollte es uns als ethusiastische Hobbyisten, beherzte Amateure, Semi- und auch echte Profis nicht motivieren etwas mehr Experimentierfreudigkeit und Risikobereitschaft zu zeigen? - Ich denke schon!
Was kann im schlechtesten Fall passieren? Man bekommt ein paar negative Kommentare und gewinnt keinen Preis. So what?
Auf jeden Fall lernt man sehr viel und vielleicht findet man durch das Feedback den "richtigen Dreh", um die eigenen Vorstellung von Sound so umzusetzen, dass die Zuhörer es auch "verstehen" und hoffentlich auch genießen können.
Riskiert mal etwas.

Andere haben schon viel mehr riskiert und um viel höhere Einsätze gepokert.