REAPER - richtiger Einsatz von fx

dieVERdener

Well-known member
Meinst du die Frage jetzt technisch oder eher auf der Metaebene?
sowohl, als auch .....

Frage mich vor allem, ob Reaper (und eigentlich viele andere DAW) nicht Kanonen auf Spatzen sind?! Muss man wirklich so wahnsinnig viele Möglichkeiten für ein Hörspiel, ein atmo- und soundunterlegtes Hörbuch auffahren?
Gibt es nicht auch was, was technisch/qualitativ keinerlei Abstriche macht, aber optisch, allein schon von der Menüflut her, ein Stück eingeschränkter ist?
Oder ist das Reaper schon ein gute Wahl und andernorts ist es noch schlimmer?
 

Delay

Well-known member
Sprechprobe
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Also ich habe schon ein wenig mit Pro Tools rumgespielt, hab hier Cubase und Reaper.
Mein allzeit Favorit ist Reaper. Das ist im Vergleich zu beiden anderen recht einfach und intuitiv zu nutzen. Von der Einstiegshürde würde ich die Reihenfolge so bewerten: Reaper, Cubase und als schlusslicht Pro Tools.
Reaper ist schon allein deswegen so Einsteigerfreundlich weil es eben die Tutorialreihe von Kenny Gioia gibt, es gibt zu den anderen DAWs auch Tutorials bei Pro Tools muss man sich das aber alles zusammensuchen bei Cubase gibt es auch professionelle deutsche Lerndvds. Bei Cubase ist dann eher der Kaufpreis im Vergleich zu Reaper abschreckend.
 

PeBu34

Der Forumsperfektionist
Hallo und mal eine Laienantwort. :)

Ich "schneide" - das bisschen, was ich brauche - mit Audacity. "Offiziell" ist das keine DAW und sein größter Nachteil ist für mich, dass damit keine Automation möglich ist - und somit keine Bewegung dargestellt werden kann. Für "unbewegte" Hörstücke düfte es aber nicht schlecht sein. :) Ich weiß, dass einige hier Audacity, neben Reaper und anderen DAWs, für bestimmte Aufgaben (wohl vor allem die Aufnahme und erste Bearbeitung der Takes) nutzen. Wenn du allerdings Reaper schon mal hast, kannst du damit bei Bedarf ja auch viel mehr machen, wenn du dich daran gewöhnt hast. :)

Liebe Grüße von
Peter :)
 

dieVERdener

Well-known member
audacity ist mein allzeit-Favorit. Bin ich wunderbar eingearbeitet. Hat alles was ich brauche.... zum Hörbücher cutten und bearbeiten, Musik und ein paar Geräusche drunter zu legen. Perfekt dafür! Aber für Audiobooks und Hörspiele: never, ever ... doch, geht auch, wird aber nie so, wie der Kopf es gerne hätte. Kannst halt mit nem Fiat 500 nicht in schweres Gelände. Isso
Und darum (jetzt erst, jetzt aber endgültig) meine Liaison mit Reaper - in der Hoffnung, dass da am Ende eine richtig amtliche Bigamie steht, denn ich habe eigentlich nicht vor, audacity endgültig zu verlassen. Gerade beim cutten von Tonspuren finde ich es so grandios einfach und übersichtlich.
 

ROH

Ryan
sowohl, als auch .....

Frage mich vor allem, ob Reaper (und eigentlich viele andere DAW) nicht Kanonen auf Spatzen sind?! Muss man wirklich so wahnsinnig viele Möglichkeiten für ein Hörspiel, ein atmo- und soundunterlegtes Hörbuch auffahren?
Gibt es nicht auch was, was technisch/qualitativ keinerlei Abstriche macht, aber optisch, allein schon von der Menüflut her, ein Stück eingeschränkter ist?
Oder ist das Reaper schon ein gute Wahl und andernorts ist es noch schlimmer?

Ja und Nein - der Unterschied ist der zwischen Profi-Programmen oder welche die sich einfach durchsetzen und "Allgemein"/"Freeware" etc. Programmen (du siehst wenn hart auf hart kommt, sind die Begriffe einfach schwammig) - dass alles was im "professionellen Bereich" eingesetzt wird - etwas schneller kann.

Deswegen gibt es auch so viel Nepp in allen technischen Bereichen, wo Leuten vorgekauelt wird es ginge um was - um was es gar nicht geht.

Du kannst ohne Probleme mit No-Budget-Programmen dasselbe schaffen. Nicht mit jedem - aber mit vielen.
Das Problem ist nur - du wirst viel länger brauchen und du wirst höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Aber wenn du was hingkriest, was ich in Cubase hinkriege - dann sagt keiner (außer die Mittelschicht - die so tut als ob teures Equipment = ich bin Profi) du bist ein Amateur. Sondern genau das Gegenteil: Weil dann hast du wirklich was auf dem Kasten.

Klar kannst du die Anforderungen an dich stellen - das ist Hardcore - viel Glück.

Diese Daws oder alles was Technik angeht - da können wir auch über Mikros reden oder Kameras über Bildschirme - scheiß egal - es ist immer dieselbe Nummer - können Sachen "einfacher", die wirst du mit Audiacity nicht so leicht hinkriegen.

Ich hab letztens noch ein(e) Sprecher/Sprecherin (du siehst ich bin sehr loyal zu verschweigen wer das ist) gehabt - da fragte mich nach einer Werbestimme. Weil er/sie hatte von nem Kunden ein Vergleichsding bekommen von nem andere/n Sprecher/in und der/die klinge so fett und "toll."
Und er/sie fragte sich halt: Wie kriege ich das hin?

Und da sagte ich zu ihr/ihm: In weniger als 5 Minuten via Drag&Drop. Brauchst du nur die richtige Daw für (und ein bisschen Know-How). Das ist totaler Nepp - wenn der/die andere Sprecher(in) sich so verkauft. Das funktioniert vielleicht noch bei deinen Kunden - aber wenn das Jungs aus dem Tonbereich gibst - hören die das in 2 Sekunden, wie das funktioniert.

Brauchst du dafür ne DAW die 500 Euro kostet? Nein. Es dauert in der nur 5 Minuten. Bei ner anderen - wirst du wahrscheinlich mehr Know-How brauchen und Zeit um dasselbe hinzukriegen.

Das ist der Unterschied.

Wo ist da jetzt der Vorteil für dich? Weil da kannst du immer noch sagen: Ach so, ich kriege das auch so hin? Dann brauche ich das Zeug nicht.

Da kommt es jetzt drauf an was du machen willst. Und wo dein Anspruch liegt. Weil so ne Werbestimme - das ist ja jetzt nicht große Kunst. Da geht es um was anderes.
Wenn du schon allein mit ner Tiefenstaffelung von mehreren Charakteren + SFX in einer Location anfängst - dann wirst du ganz schnell merken wo die Grenzen sitzen. Weil du brauchst mehr Zeit um dasselbe hinzukriegen.
Das heißt die Zeit die du dann investierst um die Lösung für dein Problem zu finden, investiert ein anderer in den Schnitt und den Mix.
Die Zeit kannst du dann auch noch investieren - zu 90% wirst du das aber nicht.
Das heißt - wenn du das am Schluss nebeneinander legst - wird der der mehr Zeit in Mix und Schnitt gesteckt hat vs. denjenigen der die Zeit in Problemlösungen investiert hat - mit Sicherheit den besseren Mix haben (oder Schnitt oder was auch immer).
Wenn - wenn dir da Qualität wichtig ist - fährst du sicherlich besser mit jeder dafür ausgelegter DAW.

Zu deiner Frage - ist das mit Kanonen auf Spatzen schießen?

Es kommt drauf an - was du machen willst. Wenn du sagst: Du willst was machen - wie Hörspiele aus den 1980ern.
Das ist heute einfacher als je zuvor. Gerade so Kinderhörspiele sind produziert für nen Markt der Stereo-Kassetten-Rekorder in Kinderzimmer stehen hat.
Die brauchen da kein Tiefengestaffeltes aufwendiges Sound-Design z.B. - weil das hörst du auf den Dingern nicht. Brauchst du nicht - lohnt nicht. Du kannst ein Super-Resultat auch mit nem gewissen Minimalismus herstellen.
Das funktioniert.

Wenn du aber die 50 Jahre Entwicklung mitnimmst - da hast du natürlich viel mehr Möglichkeiten. Du bist immer noch eingeschränkt durch Handys und Tablets und was es da alles gibt. Gibt es ein großes Problem was Bass angeht - weil die Geräte keinen Bass wiedergeben können. Das hat einen Einfluss auf den Mix -gerade so in Musik und so was.
Dann gibt es gerade ein ganz neuen Trend im Mastering und eine audiophile Bewegung die sich immer weiter durchsetzt.

Du hast mehr Möglichkeiten. Wenn du die annehmen möchtest... das heißt ein Hörspiel machen - was mit modernen technischen Möglichkeiten möglich ist - dann ist das ein anderes Produkt.

Ich benutze z.B. Instrumente als SFX oder nehme Tiere und sampel die als Instrumente. Dafür brauche ich eine DAW die in der Lage ist zu Sampeln und auch VST - Instrumente einbinden kann.
Da möchte ich erst nicht lesen und workarounds finden für mein Problem - ich brauch DA jetzt Frequenz X über Instrument Y.
Zwei Klicks - und ich kann mich auf die Kunst konzentrieren.

Aber BRAUCHEN - tust du das nicht. Aber du hast halt mehr Möglichkeiten.

Ich z.B. hatte mal die Idee ein Hörspiel zu machen - mit nur einem Sprecher und den Rest über SFX zu regeln.
WArum? Weil in der Regel ein Mann im Monolog über 1 Std. Das ist Hörbuch oder sehr schnell langweilig. Und ich glaube wenn man das clever macht - kannst du Leute dazu kriegen dem 1 Std. zuzuhören ohne das denen das auffällt, dass sie es getan haben.
Ist ne reine Umsetzungsfrage.
In nem Ding wie Audacity - wirst du dich da tot-schneiden müssen - um auf das Resultat zu kommen, was ich(!) als interessant und spannend bezeichnen würde. Ich behaupte das wird zu 90% wie ein Hörbuch klingen mit ein paar SFX.
In ner "professionellern" Daw - musst du da richtig auffahren - um das so interessant zu machen - dass da keiner denkt:
Ja - blah, blah - das ist die ganze Zeit nur ein Typ.

Klar brauchst du auch das Buch dafür - keine Frage. Aber das muss gutes Buch sein - denn sonst hast du diesen Hörbuch-Effekt.
Und ein gutes Buch umzusetzen ist immer schwerer als ein schlechtes, weil der Anspruch an die Umsetzung höher ist.

Aber das ist halt der Unterschied. Ich würde daher niemals jemanden sagen: Oh, du schneidest nur mit Audacity - das ist aber sehr billig. Aber ich würde jedem empfehlen der das gerne macht und da auch Zeit und Spaß gewillt ist zu investieren immer empfehlen up-zu-graden.
Weil du einfach schneller, bessere Resultate erziehlst und wenn du kreativ bist - auch noch mehr da rauszuholen.
SAchen zu machen - auf die noch keiner gekommen ist etc. Einfach durch den Zugang.

Das ist der Vorteil. Und darüberhinaus wenn du eine Sache machen kannst - dann kannst du auch noch ne ganze Menge mehr.
Also ich meine damit nicht - wenn du SFX schneiden kannst, kannst du auch Musik und umgekehrt... Aber alles was dann in dem Bereich Stimm+Sound Abmischung etc. das ist dann Praxis-Erfahrung etc. Learning by Doing.
Das ist der Handwerksaspekt.

Punkt ist: Du gewinnst nur Vorteile daraus. Der einzige negative ist - dass du auch als sehr un-kreativer und nicht gerade talentierter Mensch sehr gute Resultate erziehlen kannst und damit dann anderen Leuten auf den Sack gehen.
Das ist der einzige Nachteil. Das ist halt ein Zivilisationsnachteil - den haben wir aber überall - damit muss man halt klar kommen.
Da sage ich immer: Denk an die Autofahrer - das kann heute jeder Trottel - inkl. diejenigen die vor 150 Jahren längst vom Pferd gefallen wären - und über die natürliche Auslese niemanden auf der Straße belästigen würden.
Die können heute überleben. Es ist also ein Nachteil mit dem du sowieso leben musst, ob du willst oder nicht und der Vorteil für dich ist - dass du nicht mehr dein Leben aufs Spiel setzt, wenn du deine Oma besuchen willst.
Alleine schon die Autoheizung - macht die Sache mit der Zivilisation schon wert.
Also die positiven Aspekte überwiegen bei weitem die negativen, wenn du mir bis hier hin folgen konntest und weißt was ich meine.^^
 

dieVERdener

Well-known member
Mein allzeit Favorit ist Reaper. Das ist im Vergleich zu beiden anderen recht einfach und intuitiv zu nutzen. Von der Einstiegshürde würde ich die Reihenfolge so bewerten: Reaper, Cubase und als schlusslicht Pro Tools.
ok - dann habe ich mich wirklich auf die richtige Spur gesetzt ... Danke!
 

PeBu34

Der Forumsperfektionist
@dieVERdener Jetzt hab ich mal zwei Gegenfragen: Was ist für dich der Unterschied zwischen "Audiobook" und "Hörbuch"? (Ich hab ihn im Internet nicht gefunden.) Und: Warum verwendest du Audacity nicht für "Audiobooks"? (Nur der Neugierde halber! :))

Liebe Grüße von
Peter :)
 

dieVERdener

Well-known member
Was ist für dich der Unterschied zwischen "Audiobook" und "Hörbuch"
@PeBu34 ups, sorry!
Das mag vielleicht auch völlig unkorrekt sein. Ist einfach eine Bezeichnung, die wir hier so verwenden. Wir machen unsere Sachen (noch) nicht für die Öffentlichkeit, sondern für unsere Enkelkinder. Die wiederum haben 3???-Eltern und sind von daher komplett genetisch vorbelastet, was das "Hören" betrifft. Weil Oma und Opa nun lange nicht zum Vorlesen kommen konnten, haben wir im ersten Lockdown angefangen, uns zu den Kids via Soundfile zu beamen.
Und da kommt jetzt der Unterschied ins Spiel: die Kleine (3 J) bekommt "Hörbücher" - kleine Anfangsmusik, kleine Gutenachtmelodie und dazwischen eine Geschichte; so vorgelesen, wie sie das von Oma und/oder Opa kennt, wenn sie beim Vorlesen auf dem Schoß sitzt.
Der Große (6 J) bekommt "Audiobooks" - da kommen dann verschiedene Sprecher zum Zuge , werden Atmoshären und Sounds eingebaut - aber allein vom Skript her weit weg vom Hörspiel. Es bleibt ein vorgelesenes Buch.

Das sind unsere Unterschiede, die wir da machen. Und der Große meldet jetzt Wünsche an, was er so hören möchte. Also hat sich Oma dran gemacht und eine für ihn/seine Altersgruppe sicher spannende Geschichte geschrieben. Wir nähern uns damit immer mehr dem Hörspiel und der endgültigen Überforderung von und durch 👉AUDACITY :cool:

Und darum mache ich hier gerade so einen Aufriss!!
Ich danke allen für die vielen, genialen, hilfreichen Hinweise.
Und tatsächlich: die Tuts von K.Gioia sind - nach etwas reinhören - gut verständlich und hervorragend nachvollziehbar.
 

PeBu34

Der Forumsperfektionist
Hallo @dieVERdener

und herzlichen Dank für deine Antwort! Was du da beschreibst, hört sich nach einer tollen Idee an! :)
Das was ihr "Audiobooks" nennt, ist also etwa das, was im hoertalk in letzter Zeit öfter mal als "Hörspiel-Hörbuch Hybrid" bezeichnet worden ist.
Ich wünsch euch und den Kindern weiterhin viel Spaß damit! :)

Und noch ein bisschen "Werbung in eigener Sache". :) Vielleicht gefällt den Kindern das hier ja auch: Abenteuer im Abflussrohr. Hört mal rein. Wenn euch das lieber ist, würde ich euch - für euch und eure Enkel - das "Skript" zukommen lassen. (Die Geschichte ist 32 Kapitel lang und jede Doppelfolge dauert ungefähr 10 Minuten. Die Altersgruppe gebe ich gerne mit: "Für Kinder von 6-99" an.)

Liebe Grüße von
Peter :)
 

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