Erwachsene, die Kinder sprechen?

Luscinia

Weltenwandlerin
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Hi,

da ich (mal wieder) überhaupt nicht weiß, ob dieser Thread hier wirklich reinpasst, mache ich es einfach mal wie Google ("Auf gut Glück") und frage euch etwas, was mich seit einer Weile beschäftigt.
Erwachsene, die Kinder sprechen.
Ich bin vor kurzem unter die Skriptschreiber gegangen und zwei der Charaktere sind Kinder.
Tamira Adler ist so um die 10/11, Clara noch ein Kindergartenkind. Da die Geschichte in ihrem Verlauf jedoch immer düsterer werden soll, möchte ich vor allem Tamira eher ungern mit einem "echten" Kind besetzen. Clara kommt nicht so oft vor, die könnte ich schlimmstenfalls noch selbst einsprechen... Aber was denkt ihr darüber?
Habt ihr (als Casting/Geschreibsel/Menschlinge oder so) schon mal eine ähnliche Situation gemeistert und wenn ja, habt ihr gute Erfahrungen mit erwachsenen Kinderrollen gemacht oder ist das doch eher ein absolutes Nogo? Und wie sieht es bei den Sprechern in der Hoertalk-Runde aus?
Hilfe!!! :eek:

Liebe Grüße,

Luscinia, ihres Zeichens blutige Anfängerin mit Lampenfieber über dem Siedepunkt. Uaaaaaaaahhhhhhhhh!!!!
 

Ellerbrok

Hoer-Stalker
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Hi,
also ganz ehrlich? Mach so wie du das gern möchtest. Es ist deine Entscheidung und die wird respektiert.

Ich finde Erwachsene in Kinderrollen immer etwas fehlbesetzt, weil es einfach nicht nach Kind klingt, selbst wenn die Person eine hohe Stimme hat, oder die Stimme hoch verstellt.

Was bei Kindern in Hörspielen auch oft kritisch ist, ist der Satzbau. Kein echtes Kind würde z.B. in sehr langen, oder komplizierten Schachtelsätzen sprechen. Und mit meinen vier Kindern hab ich da etwas Expertise ;)

Hier im Forum haben wir Zugriff auf diverse Sprecher-Kinder die auch zum Teil Erfahrung im Aufnehmen haben. Daher würde ich Kinder mit Kindern besetzen. Aber das ist nur meine Meinung.

Liebe Grüße,
Marcel
 

Luscinia

Weltenwandlerin
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@Ellerbrok Ja... Da hast du auch wieder Recht. Andererseits finde ich z.B. Anita Hopt (40) als Laura Foster in "Sternenschweif" absolut passend und an die über 60 Jahre alte Bibi Blocksberg bin ich inzwischen so gewöhnt, dass mich die kurzzeitige Ersatzsprecherin immer etwas irritiert.
Das kann also auch gut gehen. Nur... Tamira soll (ohne zu viel zu verraten) einiges durchmachen und nach meiner letzten "Tatort"-Erfahrung fände ich da eine erwachsene Sprecherin einfach besser.
Die Sprecherkinder habe ich allerdings auch schon gesehen und die sind wirklich gut. Und die Schachtelsätze überlasse ich lieber Stephen King. :D
Hm... Schwierig schwierig.
 

Kristof

Dipl.-Opernsänger
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Es gibt ja auf jeden Fall Situationen, in denen Erwachsene sehr erfolgreich Kinder Sprechen. Von den Drei ??? Mal abgesehen, die ja eher junge Erwachsene und mit den Stimmen verwachsen sind.
Bart Simpson (+die Flanders-Kinder und ein paar von den Rowdys in Springfield) heißt mit bürgerlichem Namen Nancy Cartwright (bzw. Sandra Schwittau). Nancy Cartwright hatte eigentlich für Lisa vorgesprochen.
Die Texte müssen altersgemäß geschrieben sein. Wenn die Sätze zu komplex werden, hat man einen zweiten Justus Jonas 🤭
 

Luscinia

Weltenwandlerin
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@Kristof Hey, nichts gegen meinen Lieblings-Nerd. :D Justus ist toll. Peter war mir immer zu ängstlich und Bob könnte ruhig mehr aus sich rauskommen. Allerdings bin ich seit der Folge mit dem "Tuch des Todes" (oder so) irgendwie raus.
Aaaaaaber: Woran macht man eine Situation fest, in denen wirklich Kinder mit Kindern besetzt werden sollten? Und wann wäre ein erwachsener Kindersprecher total Fehl am Platz?
 

Ani

Die Frau im Schrank :D
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Das ist eine sehr interessante Fragestellung, mit der ich und @Der Waschbär uns für unsere Hörspielserie auch konfrontiert sehen. Da haben wir ebenfalls einen Jungen dabei, der direkt mit Gewalt und Elend konfrontiert wird. Deswegen würde ich persönlich diese Rolle niemals wirklich mit einem Kind besetzen, einfach weil ich zu viel Angst hätte, eine kleine Kinderseele mit solch düsterem Kram zu belasten.

Wie von @Kristof angeführt, gibt es da sehr erfolgreiche Beispiele, in denen Erwachsene Kinderrollen sprechen. Das ist meiner Meinung nach vor allem in so 'oldschool Hörspielen' der Fall. Da ich selbst eher moderne Hörspiele mag, finde ich das immer etwas merkwürdig.
Und Nancy Cartwright ist der Oberknaller! Ich habe ihre Masterclass gesehen und liebe sie ;) Aber für mich hinken Cartoonstimmen als Vergleich, da diese ja weniger auf 'authentisch und echt wie ein Kind klingen' ausgelegt sind.

Am Ende musst du entscheiden, was dir am wichtigsten ist. Soll es möglichst authentisch klingen? Vielleicht kannst du die Takes dann ja sogar noch so entschärfen, dass sie allein gar nicht so schlimm sind (das geht bei unserer Hörspielserie z.B. nicht).
Oder reicht es (wie in den 'oldschool Hörspielen'), wenn die Rolle als Kind rüber kommt, obwohl man vielleicht hört, dass es kein Kind spricht?
Ich bin gespannt, wie du dich entscheidest :)
 

Kristof

Dipl.-Opernsänger
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@Kristof Hey, nichts gegen meinen Lieblings-Nerd. :D Justus ist toll. Peter war mir immer zu ängstlich und Bob könnte ruhig mehr aus sich rauskommen. Allerdings bin ich seit der Folge mit dem "Tuch des Todes" (oder so) irgendwie raus.
Aaaaaaber: Woran macht man eine Situation fest, in denen wirklich Kinder mit Kindern besetzt werden sollten? Und wann wäre ein erwachsener Kindersprecher total Fehl am Platz?
;) überhaupt nichts gegen Justus. Aber Olli Rohrbeck ist 9 Jahre älter als ich … und ich bin schon grob Mitte 40 🙃 Ich oute mich: Ich habe ALLE Folgen, auch die neuen. Allerdings inzwischen digital, die 209 Folgen plus Specials würden bei mir in kein CD-Regal passen.

Ich habe auf der Bühne ein paar Mal mit Kinder gearbeitet – sowohl rein schauspielerisch als auch in der Oper. Da gibt es immer wieder welche, denen man eine größere Rolle zumuten kann und die wie richtige kleine Kollegen spielerisch und sängerisch mit den „Großen“ zusammenarbeiten – aber mache finden es schon schwierig, einen ganzen Satz zu sprechen. Manche auch, sich nur den Weg einmal über die Bühne zu merken oder sich nur zu merken, dass der Weg in der 30. Vorstellung der gleiche ist wie in den 29 davor. Manchmal kann man es sich nicht aussuchen ;-)

Im Hörspiel sieht man ja nix. Vielleicht wäre eine Blind Audition gut, wo du nicht weißt, wie alt der/die jeweils Vorsprechende:r ist? ;-)
 

WolfsOhr

Mario Wolf
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Ich finde auch wie @Ellerbrok , dass meistens ein Erwachseneer nicht gut in die Kinderolle passt, stimmlich betrachtet. Es wirkt fast immer gekünstelt. Gerade gestern habe ich einen Film gesehen, wo deutlich eine Frau eine 14-jährige sprach. Das hat sie in der Tat sehr gut gemacht, aber man hat es gehört wenn man genau hinhört.
Was den Satzbau angeht: Da muss der Autor (und das Lektorat) gut arbeiten.
Außerdem glaube ich können Kinder bzw. Jugendliche viel mehr ab als wir Erwachsenen denken (was nicht heißt, dass ich ihnen alles servieren würde!). Aber wenn in einer Rolle ein Kind vorkommt finde ich sollte sie auch ein Kind sprechen können. Im Film ist das ja auch so, denk an The Shining oder was auch immer. Die müssen zwar im Dreh nicht alles sehen, aber sie kriegen ja auch eine Menge mit, und wollen vermutlich das fertige Werk auch mal irgendwann sehen.
Aber letztendlich bleibt das deine Entscheidung wie du das für dein Projekt umsetzt.
 

Luscinia

Weltenwandlerin
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Hm... Ich sehe schon, da gehen die Meinungen ziemlich auseinander. ^^
Tamira ist halt kein typisches Kind, sondern... ziemlich speziell (sieht ihre Schildkröte als einzige Freundin an, wird von einer Klassenkameradin herumgeschubst u.Ä.). Und dann sind da ja noch die Eltern.
Die müssen ja auch erstmal zustimmen. Die Rolle ist auch nicht sonderlich klein und viele Kinder stehen gerade unter massivem Schulstress.
Andererseits muss ich auch meinem Vorredner zustimmen - Es gibt wahnsinnig talentierte Kindersprecher/Schauspieler und sogar welche, die synchronsprechen. Wenn ich da an Primrose Everdeen denke...
 

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